Der vierte und vorläufig letzte Erzählsalon im Rahmen des Zeitzeugenprojekts zum ehemaligen Kinderheim in der Villa Haar fand am 25.04.2026 in der Villa oberhalb des Goetheparks statt. Nachdem in den drei ersten Zusammenkünften Heimkinder aus den Jahren 1945 bis 1995 zu Wort kamen, war dieser abschließende Erzählsalon den Mitarbeitenden des Kinderheimes gewidmet. 14 ehemalige pädagogische, technische und hauswirtschaftliche Mitarbeitende kamen an diesem sonnigen Samstag im April in die Villa Haar. Neben der Freude über das Wiedersehen standen die Erinnerungen an den Alltag, die Arbeitsbedingungen, pädagogische Ziele und persönliche Erfahrungen im Mittelpunkt der Begegnung.

Eine damals halbtags angestellte Musikpädagogin blickte bis in die frühen 1960er-Jahre zurück. Wie bereits die Heimkinder dieser Epoche berichtet hatten, spielte die musisch-kulturelle Bildung damals eine wichtige Rolle im Alltag des Heims. Chor, Tanzgruppe und Instrumentalunterricht gehörten ebenso zu den Freizeitaktivitäten wie Angebote außerhalb der schulischen Pflichten. In den darauffolgenden Jahren verschob sich der Fokus in der Freizeitgestaltung auf sportliche Betätigungen, Unternehmungen an den Wochenenden und in den Ferien, jugendgemäßen Tanzveranstaltungen. Zugleich blieb der Name „Kinderheim Rosa-Thälmann“ Ausdruck eines pädagogischen Selbstverständnisses, das eng mit den sozialistischen Erziehungsidealen der DDR verbunden war. Gleichzeitig zog ab Mitte der 70er Jahre eine neue Generation von ausgebildeten Heimerziehern, Lehrern und Quereinsteigern in die Villa ein.

Neue pädagogische Herangehensweisen, naturkundliche Bildung, kleinere Gruppen und kleinere Räume verbesserten das Hausklima spürbar. Der Anspruch, Kinder und Jugendliche stärker individuell zu begleiten, gewann zunehmend an Bedeutung. Eine grundlegende Neuausrichtung brachte schließlich die Zeit nach 1989. Mit der politischen Wende und den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen veränderte sich auch die Arbeit im Haus. Aus dem „Kinderheim Rosa Thälmann“ wurde die „Kinderheimstätte Villa Haar“. Die Neugründung der Stiftung Dr. Georg Haar im Jahr 1991 war mit Umbrüchen, Unsicherheiten und organisatorischen Herausforderungen verbunden.

Ebenso wie die Erinnerungen und Geschichten der ehemaligen Kinder und Jugendlichen werden auch die persönlichen Erfahrungen der Mitarbeitenden ihren angemessenen Platz im Buch „Die Geschichte des Kinderheims in der Villa Haar“ finden. Spätestens zur Buchpremiere — im Rahmen des 80jährigen Gründungsjubiläums — ehemalige Mitarbeitende und frühere Heimkinder erneut miteinander ins Gespräch kommen.
Schon heute lässt sich sagen: Darauf freuen sich die Menschen, die in den Erzählsalons zu Wort gekommenen sind.
Mehr zum Buchprojekt unter:
www.zeitzeugen.stiftunghaar.de